Volltext · 16. Februar 2026 · Internet für Architekten
KI-Kompetenz
Ausflug ins Integrationsgebirge
Seit 2023 beschäftigen wir uns in unserem Büro neben dem Projektalltag mit einer Frage, die wir bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet bekommen: Wie lässt sich Künstliche Intelligenz produktiv in Planung und Architektur einsetzen? Ein Thema, das zu wachsen scheint, je mehr man sich damit beschäftigt.
Der Weg aufs Plateau
Zunächst hatten wir damit angefangen, KI konzeptionell zu begreifen und potenzielle Anwendungsfelder zu beschreiben. Die Systeme waren damals schon auf den ersten Blick für einen ernstzunehmenden Einsatz nicht zu gebrauchen.
2024 haben wir uns dann in verschiedenen Versuchsaufbauten grundsätzliche Funktionsweisen von KI angeeignet, haben getestet, experimentiert und uns angewöhnt, Schwächen zu erkennen und Risiken zu minimieren.
Im vergangenen Jahr schließlich ist KI im Alltag angekommen. 2025 haben wir die großen Sprachmodelle dabei begleitet, wie diese mit beeindruckenden Entwicklungsschritten ihr Einsatzpotenzial immer weiter ausbauen konnten.
2026 ist die Technik nun so etabliert und ausgereift, dass es Zeit wird, sich wieder einer alten Frage zuzuwenden: Wie gelingt die produktive Integration in den Arbeitsalltag?
Im Integrationsgebirge
Wir besitzen mittlerweile ausreichend Erfahrungspunkte, um zu wissen, dass KI sich nicht organisch in unsere analogen Arbeitsprozesse integrieren lässt. KI als Werbeversprechen der Marketing-Abteilung? Kein Thema. KI als neuestes Alleinstellungsmerkmal einer kleinen Elite irgendwo zwischen den IT- und BIM-Aficionados? Selbstverständlich.
Aber in der Mitte? Dort, wo der Schwerpunkt der Wertschöpfung im Büro- und Projektalltag liegt? Mehrheitlich Fehlanzeige. Ohne Transformation wird es in diesen Bereichen keine produktive Kollaboration mit KI geben. Die Geschäftsführung ist in der Pflicht, einen KI-Fahrplan aufzustellen, Arbeitsprozesse zu hinterfragen und ein angemessenes Change-Management aufzusetzen.
Diesen Umstand hat bereits im letzten Jahr eine Studie des MIT beleuchtet: Inmitten des allgemeinen KI-Rauschens war im August 2025 eine Studie der MIT-Forschungsinitiative NANDA erschienen, die unsere eigenen Annahmen und Erkenntnisse mit wissenschaftlichen Mitteln bestätigt hat. Im Ergebnis gelingt es trotz erheblicher Anstrengungen nur einem Bruchteil der befragten Firmen, die Technologie über Pilotphasen hinaus produktiv einzusetzen.
Warum der Sprung in die Praxis misslingt
Unsere Empfehlungen zu dem Thema sind bis heute noch vergleichsweise offen formuliert: Prompt Engineering, also die Suche nach dem perfekten Prompt, wird der Herausforderung nicht gerecht. Stattdessen sollte KI als Sprache verstanden werden, die sich nur durch Anwendung und Praxis erlernen lässt – dialogisch prompten und im direkten Austausch mit der KI als virtuellem Assistenten den Lösungsweg gemeinsam erörtern.
Diese allgemeine Betrachtung wurde im Januar 2026 von Nate B. Jones präzisiert und systematisiert. Seine zentrale These: Für eine produktive Anwendung von KI steht nicht das bestmögliche Verständnis der Software und ihrer Funktionen im Zentrum, sondern in erster Linie die Fähigkeit zum Managen und Delegieren von Aufgabenstellungen.
KI-Schulungen sind derzeit in zwei Extreme gespalten. Auf der einen Seite stehen technische Exzellenz-Schulungen für Spezialisten, oftmals für Personen, die ohnehin schon ein ausgeprägtes Verständnis für Algorithmen und Digitalisierung mitbringen. Auf der anderen Seite die übergeordnet motivationalen Einführungen für Erstanwender:innen. Die kritische Lücke liegt genau dazwischen: in der Management- und Leitungsebene, in deren Zuständigkeitsbereichen mithilfe von KI die größten Effizienzgewinne realisiert werden könnten.
Die strategische Erkenntnis: Das Scheitern von KI ist kein Problem der Technologie-Adoption, sondern ein Mangel geeigneter organisatorischer Fähigkeiten. Erfolg mit KI erfordert kein „Prompt Engineering“, sondern Management-Fähigkeiten. Wer delegieren kann und gelernt hat, Aufgaben in nachvollziehbare Teilschritte herunterzubrechen, sollte auch mit einer KI als Assistenzsystem schnell brauchbare Ergebnisse erzielen.
